Forschung

Forschungsprofil

Die Forschung konzentriert sich auf den Bereich der vergleichenden Demokratieforschung und umfasst sowohl die Mikroebene der Bürger (ihre politischen Orientierungen und politischen Verhaltensweisen) als auch die Makroebene der politischen Institutionen und Prozesse.

  1. Im Zentrum der mikroanalytischen Forschung stehen (a) Typen von Wohlfahrtsstaatskulturen und die Bedeutung dieser Kulturen für die Legitimität demokratischer Regime; (b) Europäische Identität und Einstellungen zur Europäischen Integration; (c) Politische Kultur und Politische Unterstützung in alten und neuen Demokratien sowie Autokratien; und (d) Effekte der Globalisierung auf Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung.
  2. Die makroanalytische Forschung konzentriert sich auf (a) die Performanz von Demokratien; (b) die Messung demokratischer und autokratischer Regime; und auf (c) die Struktur, Determinanten und Effekte von Globalisierungsprozessen in demokratischen und nicht-demokratischen Staaten.

 

Laufende Forschungsprojekte

 

Wahlbeteiligung, Parteipositionen und Wohlfahrtsstaatstätigkeit im internationalen Vergleich (Sven Hillen)

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit Ursachen und Folgen sozialer Verzerrungen der Wahlbeteiligung in entwickelten Demokratien. Als eine potentielle Ursache ungleicher Wahlbeteiligung werden Parteipositionen betrachtet. Werden spezifische Positionen von Bürgern nachgefragt, ohne auf der Angebotsseite vertreten zu sein, sollte das die Wahlneigung dieser – jedoch nicht aller – Bürger mindern. Zudem wird untersucht, welche Folgen eine Verzerrung der Wahlbeteiligung für die (sozialpolitische) Staatstätigkeit hat. Nehmen Bürger(-gruppen) mit bestimmten Interessen nicht an Wahlen teil, ist zu erwarten, dass deren Interessen sich vergleichsweise schwach im Policy-Output niederschlagen.

 

Globalisierung und Demokratie (Johannes Kessler)

Gegenstand der vergleichenden Analyse sind politikwissenschaftliche Aspekte des Phänomens Globalisierung. Im Zentrum der Untersuchung steht die Beziehung zwischen Globalisierungsprozessen und demokratischer Herrschaftsform.

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

 

European Identity in Testing Times – Levels and Determinants of Citizens‘ Identification with Europe from the Treaty of Maastricht to Eastward Enlargement and the Euro Crisis (Stephanie Bergbauer)
Why do some people describe themselves as European and others do not? Under which conditions do citizens in the EU member states feel attached to European and the wider community of Europeans? In short: What makes people identify with Europe? These questions are at the core of this dissertation project seeking to explain variation in identification with Europe among the citizens of EU member states. To answer these questions, I integrate micro- and macro-level explanations of European identity in a comprehensive theoretical model. The empirical analysis examines how individual characteristics (political awareness, attitudes towards the European and national community, transnational experience) and characteristics of member states' national political and economic context (party positions, economic integration, ethno-cultural make-up) work together to influence citizens' identification with Europe.

 

European Social Survey (ESS): Deutsche Teilstudie "Gesellschaft und Demokratie in Europa" (Edeltraud Roller)
Der European Social Survey (ESS) ist eine komparative Bevölkerungsumfrage, die seit dem Jahr 2002/03 im Abstand von zwei Jahren in über 20 europäischen Ländern durchgeführt wird. Das wichtigste langfristige Ziel des Projektes besteht darin, die Wechselbeziehungen zwischen den sich wandelnden politischen Institutionen und sozioökonomischen Strukturen in den europäischen Staaten auf der einen Seite und den Einstellungen, Wertorientierungen und Verhaltensmustern der Bevölkerungen auf der anderen Seite zu beschreiben, allgemeine Entwicklungstrends zu ermitteln und diese zu erklären. Das Projekt wird gemeinsam finanziert von der Europäischen Kommission, der European Science Foundation und nationalen Forschungsförderungsorganisationen. Es wird geleitet von einem Central Co-ordinating Team um Rory Fitzgerald von der City University, London (http://www.europeansocialsurvey.org/).

Die deutsche Teilstudie “Gesellschaft und Demokratie in Europa” wurde von Jan van Deth (Universität Mannheim), Stefan Liebig (Universität Bielefeld, ab 2011), Edeltraud Roller (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), Sigrid Roßteutscher (Goethe-Universität Frankfurt am Main, ab 2013), Oscar W. Gabriel (Universität Stuttgart; bis März 2013) und Heiner Meulemann (Universität zu Köln; bis 2011)  geleitet. Das Projekt wurde von 2002 bis 2015 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert (ab 2006 im Rahmen einer Langfrist-Förderung).Von 2016 bis 2017 wurde es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert, und ab 2018 wird die deutsche Teilstudie des European Social Survey von GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim, betreut.

 

Wahlentscheidungen in postsozialistischen Demokratien in Mittel- und Osteuropa (Tatjana Rudi)
Welche Faktoren beeinflussen die Wahlentscheidung von Bürgern bei Parlamentswahlen in postsozialistischen Demokratien in Mittel- und Osteuropa? Auch wenn es sich hierbei um eine klassische Frage der Politikwissenschaft handelt, herrschte bislang weitgehend Unkenntnis über die Bestimmungsfaktoren der Wahlentscheidung in postsozialistischen Demokratien in Mittel- und Osteuropa, da vergleichende Analysen der Wahlentscheidung eine ausgesprochene Rarität darstellten. Dies ist erstaunlich, bedenkt man, dass in diesen Ländern der Transformationsprozess hin zu einer stabilen Demokratie noch nicht abgeschlossen ist, sodass die Entscheidung von Wählern auch einen Einfluss darauf haben kann, ob der Transformationsprozess fortgeführt wird oder ob es zu einem (vorübergehenden) Stillstand kommt.

Rudi, Tatjana (2010): Wahlentscheidungen in postsozialistischen Demokratien in Mittel- und Osteuropa. Eine vergleichende Untersuchung, 1. Aufl., Baden-Baden: Nomos (Studien zur Wahl- und Einstellungsforschung, 15). ISBN: 978-3-8329-4608-1
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Der Einfluss wirtschaftlicher Globalisierung auf Bürger, politische Parteien und Wahlen in entwickelten Demokratien  (Nils Steiner)
Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, wie sich wirtschaftliche Globalisierung auf den repräsentativ-demokratischen Prozess in entwickelten Demokratien auswirkt. Es wird untersucht, welche Folgen die zunehmende internationale Verflechtung von Volkswirtschaften für die politischen Einstellungen und das politische Verhalten von Bürgern sowie die Interaktionen zwischen Bürgern auf der einen und Regierungen und Parteien auf der anderen Seite hat. Im Mittelpunkt stehen dabei Wahlen als zentrales Element repräsentativer Demokratien.

 

The Formation of Support for the European Union in Central and Eastern Europe (Bettina Wagner)
Worauf begründet sich die Unterstützung oder Ablehnung der Europäischen Union durch die Bürger Mittel- und Osteuropas? Da die EU eincit komplexes und insbesondere von der Lebenswelt neuer EU-Bürger weit entferntes politisches System darstellt, ist es unwahrscheinlich, dass eine Einschätzung dieses Systems alleine auf Einstellungen zur EU beruht.

Wagner, Bettina (2012): The formation of support for the European Union in Central and Eastern Europe. The role of national attitudes as cognitive heuristics, 1. Aufl., Baden-Baden: Nomos (Studien zur Wahl- und Einstellungsforschung, 21).
ISBN: 978-3-8329-7096-3
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